Die meisten, die mir sagen „das hab ich mal ausprobiert, war nichts“, haben dasselbe getan: ein Fenster geöffnet, eine Frage getippt, eine allgemeine Antwort bekommen. Also wieder zugemacht.
Das Urteil ist nachvollziehbar, trifft aber die falsche Stelle. Ob so ein Assistent taugt, hängt kaum am Werkzeug. Es hängt daran, was er über dich weiß.
Wofür ich ihn tatsächlich benutze
Mein gesamter Betrieb liegt in einem Ordner auf der Festplatte. Kunden, Angebote, Systeme, Notizen – alles in einfachen Textdateien, nichts Exotisches.
Ganz oben liegt eine einzige Datei. Sie hält in kurzen Sätzen fest, was es gibt und wo es liegt, und verweist auf die passenden Unterordner. Eine Art Leitstelle: Ich öffne sie, und der Assistent weiß, wo er nachschlagen muss, statt dass ich ihm bei jeder Frage von vorn erkläre, wie mein Geschäft funktioniert.
Gepflegt wird das nicht von mir. Der Assistent schreibt selbst mit: Was wir entschieden haben, was sich geändert hat, was offen ist, landet am Ende einer Sitzung in der passenden Datei. Von Hand hätte ich das nach zwei Wochen schleifen lassen – so ist der Stand am nächsten Morgen noch da.
Dafür ist einiges weggefallen. OneNote. Notizen in drei verschiedenen Programmen. Zwei Dateien mit demselben Namen und unterschiedlichem Stand. Heute steht alles an einer Stelle und sichert sich stündlich in die Cloud, damit ich von überall drankomme und nichts verliere, wenn der Rechner ausfällt.
Diese Vorarbeit kostet einen Nachmittag. Ohne sie funktioniert der Rest nicht.
Was mich überrascht hat
Womit ich nicht gerechnet hatte: die Ideen.
Wenn genug Kontext da ist – wie ich arbeite, was ich schon versucht habe, woran es hängt –, kommen Vorschläge zurück, auf die ich von allein nicht gekommen wäre. Klüger ist da niemand. Der Blick kommt von außen, und genau der fehlt einem im eigenen Betrieb nach ein paar Monaten.
Das funktioniert allerdings nur, wenn du widersprichst. Ich frage nach, ich streiche Vorschläge, ich sage „das passt bei mir nicht, und zwar aus diesem Grund“. Erst in der zweiten oder dritten Runde wird es gut. Wer die erste Antwort nimmt und damit losläuft, bekommt Durchschnitt.
Wo ich vorsichtig geworden bin
Am Anfang, beim Bau meiner eigenen Internetseite, habe ich nach dem Stand der Dinge gefragt. Zurück kam eine geordnete, plausible Antwort. Sie war falsch.
Die Dateien, aus denen er gelesen hat, waren vier Wochen alt. Erfunden hatte er nichts, er hatte sauber aus veraltetem Material geschlossen. Der Fehler lag bei mir.
Er arbeitet mit dem, was du ihm gibst. Mit nichts sonst.
Seitdem aktualisieren sich die Dateien von selbst und nicht dann, wenn ich zufällig daran denke. Und ich lese Antworten gegen. Einmal habe ich eine schöne Antwort ungeprüft übernommen; das reicht als Lehrgeld.
Merken wirst du so etwas übrigens nicht an der Antwort, die klingt in beiden Fällen gleich gut. Frag danach: Worauf stützt sich das, und wie alt ist die Quelle?
Am Ende ist das weniger ein KI-Thema als ein Ordnungsthema. So ein Assistent ist nie besser als das, was bei dir aufgeräumt ist.
Und wenn dein Betrieb einmal sauber an einer Stelle steht, findet nicht nur er alles wieder. Du auch. Das ist der Merak-Effekt auf einem Umweg: Ich habe angefangen, für ein Werkzeug Ordnung zu schaffen – den freien Kopf habe ich dabei mitbekommen.

